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Donnerstag, 16. Februar 2017

Die Stimme eines Menschen

oder

Wie es dazu kam, dass eine junge, lebensfrohe Frau weinend auf dem Marienplatz stand.


Seit ca. 2 Monaten ist die junge Frau zurück aus Costa Rica. Bis zu diesem Moment wurde sie auf den europäischen Rechtsruck nur hin und wieder durch Erzählungen oder Nachrichten aufmerksam gemacht. Doch als sie jetzt ahnungslos dem Tumult auf dem Marienplatz entgegen geht und beginnt sich die Plakate und Schilder der Pegida-Demonstranten durchzulesen steigen ihr auf einmal die Tränen in die Augen.

Niemals zu vor hatte sie eine Demonstration so sehr verletzt, so viel Trauer in ihr hervorgerufen.

Vielleicht liegt es daran, dass sie in Costa Rica einen Vorgeschmack davon bekommen hat, wie schlimm es sich anfühlen muss in ein anderes Land vertrieben zu werden.

Vielleicht liegt es daran, dass sie sich selbst nicht mehr so „deutsch“ fühlt.

Vielleicht aber auch daran, dass ihr Freund ausländischer Herkunft ist.

Sie schaut auf die unglaublich hasserfüllten Plakate und schüttelt den Kopf über die unglaublich unrealistische Hoffnung ohne Ausländer einen demographischen Wandel herbeiführen zu können.

Die junge Frau weint weiter. Es möchte sich wehren doch sie weiß nicht wie. Sie steht stumm da, nimmt alles in sich auf und denkt nach, die meisten Sprüche, die die anderen Gegendemonstranten rufen, gefallen ihr nicht. Irgendwann versucht sie dann doch ihren stummen Protest lauter werden zu lassen. Doch es kommt nur ein krächzen aus ihrem Hals.

Sie erinnert sich an einen unveröffentlichten Blogeintrag. Er handelt von Nationalstolz. Wie schön er sein kann.
„Doch meine Heimat scheint noch nicht bereit zu sein ihn zu lesen. Noch ist sie nicht reif genug.“ denkt sich die junge Frau.
Sie fragt sich, ob sie ihn wohl eines Tages noch veröffentlichen kann.
Sie wünscht sich stolz auf ihr Land sein zu können. Sich nicht klein machen zu müssen, wenn sie Jemand fragt wo sie her kommt. Sie wünscht sich Chancengleichheit für ihren Freund und eines Tages für ihre Kinder, in ihrem Land.

Der Anblick der Pegida- Anhänger lässt sie frösteln, so grausam wirken sie auf sie. Die rechte, feindliche Stimmung legt sich wie ein kaltes, trostloses Tuch um ihre Schultern. Sie fühlt sich Ohnmächtig gegenüber dieser Menschen, die dort auf der anderen Seite des Zauns stehen und der Stimmung die in Europa angeheizt wird. Wieder kullern Tränen über ihre Wangen.

Doch als sie das nächste Mal die Pegida Anhänger betrachtet ist da nicht nur noch tiefe Trauer und Verständnislosigkeit in ihr. Eine Weste mit der Aufschrift “Abschiebe Helfer“ würde sie am liebsten zerreißen. Sie schließt sich laut der Rufe ihre Mitstreiter an. Denn sie ist nicht Ohnmächtig!

Auf der Seite der jungen Frau stehen nämlich mehr Menschen als bei den Leuten die Pegida Propaganda predigen.
Die glauben das Kultur etwas statisches ist. Werte und Normen sich nicht verändern dürfen. Doch Kultur ist dynamisch und genau deswegen so faszinierend. Dynamisch, wie fast alles in diesem Leben, auf dieser Welt, denn alles wandelt sich oder ist zum scheitern verurteilt.

Die junge Frau will friedlich demonstrieren und nicht stumpf provozieren.
Will klug und gewitzt reagieren.

Die Pegida Rufe werden lauter und die junge frau weiß einfach nicht was sie den "alternativen Fakten" entgegensetzen soll, als sich auf einmal die Töne einer Trompete über den Marienpaltz erheben. Alle anderen Geräusche nichtig erklingen lässt. Die junge Frau fängt an zu singen. Die Europahymne.

"Freude, Elixier der Frauen ihrer innersten Natur. Freude lässt sie tiefer schauen als mit äußeren Sinnen nur. Freude hebt die matten Schwingen zu des Adlers Flug empor. Lässt sie mit den Brüdern singen. Ist der Menschheit neuer Chor." Eine Umdichtung der Europhymne von Irmtraud Maier

Nun hat die junge Frau die perfekte Protestform gefunden, die sie diesen verbitterten Menschen, entgegensetzen will. Musik.
Dieser einzige Mensch der mit seiner Trompete den ganzen Platz beschallt und alle übertönt.
Er gab dem Mädchen wieder Hoffnung, Mut und Energie weiter zukämpfen.
Er zeigt so offensichtlich, dass eben doch der einzelne Mensch etwas zu sagen hat und viel Bewegen kann.

Die Energien solcher Menschen sind es die die junge Frau antreiben und wieder lebensfroh machen.


Keine zwei Stunden später sitze ich mit dem Aktivisten @Pfui deifi Pegida in einer Bar, bei einer Johannnisbeerschorle und plane mit neu getankter Kraft den nächsten Demo Besuch.

Als ich in meine Jackentasche greife, erinnert mich nur noch mein von Tränen durchnässtes Taschentuch an die weinende junge Frau auf dem Marienplatz.



Sonntag, 14. Februar 2016

Valentinstag - Konsumtag


Der 14. Februar. Valentinstag. Der Tag an denen man seinen Liebsten zeigen soll, dass man sie mag.
Mir persönlich hat der Valentinstag noch nie gefallen. Zum einen weil ich mich frage, wieso ich einen bestimmten Tag brauche um meiner Familie oder meinen Freunden zusagen, dass ich sie mag und zum anderen, weil es sich um eine raffinierte Geschäftsidee handelt. 

Überall werden Rosen verschenkt, die vorher zu überteuerten Preisen gekauft werden. Der Konsumdruck ist immens. Man fühlt sich von der Werbung genötigt an diesem Tag, durch Blumen, Schmuck oder einen anderen Gegenstand, seine Liebe auszudrücken. Es ist kein inneres Bedürfnis, sondern wird einem von der Industrie so vorgeschrieben. Ziel ist nicht einen friedlichen Tag in Liebe zu verbringen Ziel ist Konsum.

Aber ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, wann und wie ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben meine Gefühle zeigen soll. Und wie soll ein Gegenstand, der wahrscheinlich Millionenfach in weiterferne produziert wurde, meine Liebe zu einem Menschen ausdrücken? Sollte sich meine Liebe nicht durch Taten zeigen? Denn Glück kann man nicht kaufen und Liebe erst recht nicht.

Liebe und Umweltschutz


An dieser Stelle möchte ich gerne eine Frau zitieren die ich gestern kennen durfte. Sie sagte in ihrem Vortrag: „Liebe ist für mich weder Sex, noch sich gegenseitig Geschenke zu machen….sondern Liebe ist für mich, für eine bessere Welt und eine besser Zukunft zu kämpfen. Die Leidenschaft für die Natur und dessen Schutz!“


Oft fällt es uns schwer diese Leidenschaft am Leben zu erhalten, denn es gibt kaum Jemanden der diese Arbeit wertschätzt. Im Gegenteil viele Leute machen diesen Einsatz sogar nieder um selber kein schlechtes Gewissen zu haben. Doch trotzdem sind wir nicht allein, es gibt viele Menschen die sich nicht darum scheren was andere Leute denken oder tun und sich unbeeindruckt dem Umweltschutz widmen. 

Unsere Zweifel

Aufgrund der Nachrichten die über Hungersnöte, Terroristen, Überschwemmungen, Wassermangel, Misshandlungen, Korruption und anderen schlimmen Dinge handeln, fühlen wir uns oft machtlos. Die Situation erscheint uns aussichtslos. Viele Menschen wollen deswegen schon gar keine Nachrichten mehr gucken. Im Anbetracht all dieser Dinge erscheint uns die Welt oft schwarz, dunkel und kalt, als würde eine grauenhafter Schatten über sie geworfen werden, der Unglück bringt und gegen den wir nichts unternehmen können… Manchmal könnten wir an der ausweglos erscheinenden Lage verzweifeln.

Das Netz der Hoffnung

Doch bis jetzt habe ich in jedem Land in dem ich war, tolle Menschen getroffen die sich aus tiefer, innerer Überzeugen für einen Wandel einsetzen, die mit gutem Beispiel vorrangehen und andere Menschen Inspirieren. Bevor ich nach Costa Rica kam wurde mir erzählt, dass es in kaum einem Land so viele Ehrenamtliche gibt wie in Deutschland. Und in einem Planspiel durfte ich am eigenem Leib erfahren, dass man keinen einzigen Gedanken an Bildung oder die Zukunft verschenkt, wenn man aus Armut ums über leben kämft. Umso stärker wurde ich überrascht, als ich in das so genannte „Entwicklungsland“ Costa Rica kam. Denn dieses winzige Land ist vollgestopft mit politischen Gruppen, Initiativen, Stiftungen, Vereinigungen und so weiter und die meisten werden ohne Hauptamtliche Mitarbeiter betrieben.
Trotzdem höre ich oft, traurig, von meinen Gleichgesinnte: „Wir haben so einen großen Schatz hier in Costa Rica, aber die Leute kümmern sich nicht drum.“ Doch das stimmt nicht, oft konzentrieren wir uns zu stark auf das negative und sehen nicht wie viele Menschen sich schon engagieren und was unsere Arbeit bewegt. Klar gibt es noch viel zu tun, aber es wurden auch schon viele Menschen überzeugt  und schon viel Land in Costa Rica unter Schutz gestellt. Schritt für Schritt dringt die Umwelt immer mehr ins Bewusstsein der Menschen.
Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich überall auf der Welt auf solche Menschen stoßen werde und ich mir niemals Sorgen machen muss, alleine zu sein. Es gibt ein enges stabiles Netz was uns alle trägt und verbindet.

Du kannst ein Licht in dieser Dunkelheit sein!


Stell dir vor, dass wir alle, die sich für eine bessere Zukunft einsetzen, alle die ihr Verhalten ein bisschen geändert haben, die sich ehrenamtlich engagieren, die den Willen haben etwas zu verbessern, die aus Liebe zum Planten, die aus Liebe zu uns Menschen handeln… Wenn wir alle kleine Lichte wären.

Stelle dir vor, wer in deiner Umgebung alles leuchten würde. Bei dir zu Hause, in deinem Ort, in deinem Land und dann gucke weit über den Horizont hinaus und überall werden die Lichter erstrahlen. Und du weißt, dass du nicht alleine bist. Denn du weißt, dass wir viele sind. Auf der ganzen Welt verteilt.

Stell dir vor, wie du aus dem Weltraum auf die Erde guckst. Und zu schauen kannst wie sich die Erde von einem von dunkeln Ereignissen beschatteten Planten, in einen Planten voller Hoffnung verwandelt. 


Es ist einer neuer Sternenhimmel auf der Erde entstanden. Und Jeder Stern strahlt aus Liebe.

Als ich vor meinem inneren Auge auf dies Erde schaue, die mir Hoffnung gibt, sammeln sich vor Glück tränen in meinem Augen und auf meinem Gesicht ist ein fettes Grinsen. Denn ich weiß, dass es so viele Menschen gibt die mit mir kämpfen, die mich unterstützen und dass es in jedem Winkel dieser Erde Liebe gibt.

Ich nehme mir vor meinen Mitstreitern in Zukunft öfter auf ihre wundervollen taten aufmerksam zu machen. Ihnen bewusst zu machen was sie bewegen und ihnen die Wertschätzung zu zeige die sie für ihr Engagement verdienen.

Wir sollten uns gegenseitig unterstützen und motivieren so weiter zu machen. Jeder Person die einen Beitrag leistet sollte sich darüber bewusst sein, dass sie etwas Gutes tut. Jeder kleiner Schritt ist ein wichtiger Beitrag, jeder Gewohnheit die wir zum wohl der Umwelt und unseren zukünftigen Generationen ändern, sorgt dafür das der Sternenhimmel der Hoffnung heller erstrahlt und die Erde zu einem friedlicheren, fröhlicheren Ort macht.