Es ist wieder so weit. Es sind Fiestas(Feste) in Santa Cruz! Vor einem Jahr durfte ich dabei sein und die Stimmungsolle Atomsphäre genießen, jetzt bin ich wieder in Deutschland und mein Santa cruceña Herz seht sich nach den Kraftvollen Partyschreien, den Dianas die im Morgengrauen gefeiert werden, der (fast) schlaflosen Zeit die man zusammen mit Freunden und Familie verbringt. Eines Tages werde ich wieder mit euch feiern!
P.s.: Wenn in dem Artikel von Familie, Mama, Schwester, Cousine die Rede ist, ist meine Gastfamilie gemeint.
Hier mein Rückblick auf die "Fiestas Tipicas Nacionales de Santa Cruz 2016":
Die Fiestas in Santa Cruz. Seit
dem ich hier angekommen bin wird mir von diesen Fiestas erzählt! Kommentare
wie: „Das hier ist ganz nett, aber warte erst mal die Fiestas im Januar ab!“ … „es
ist unglaublich wie die Leute auf den Fiestas im Januar nicht aufhören wollen
zu feiern“..und…. „Manche arbeiten, feiern, arbeiten, feiern und schlafen Tage
lang nicht“…“Während den Fiestas im Januar wird nicht in den Bars getanzt,
dann tanzen die Leute auf der Straße“, “Hier auf dieser Wiese wird alles voll mit
Ständen und Fahrgeschäften sein, während die Fiestas im Januar sind.“
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Die Königinnen der Fiestas,
beim Tope (dort reiten die Ticos durch die Straßen und präsentieren sich und ihr Pferd) |
Und
dann war der große Tag gekommen der 14. Januar, der wichtigste Tag im Santa
cruceño Jahr. Ich war eigentlich davon ausgegangen bis 12 Uhr ganz normal zu
arbeiten, aber bis um 12 Uhr der Fiestas offiziell anfingen, nahmen wir am
religiösen Teil teil, in dem der Ursprung für die Fiestas liegt. Denn es wird der
Geburtstag des Santo Christo de Esquipulas, dem Beschützer von Santa Cruz,
gefeiert.
Der
Plan war es um 7 Uhr den Gottesdienst in einem Vorort mit Namen Hato Viejo zu
besuchen. Wir waren etwas spät dran, aber trafen pünktlich mit der Prozession
ein, die den Schrein des Heiligen herbei trugen. Der Gottesdienst war dann ganz
anders als man sich das in Deutschland vorstellen würde. Während viele den
Schrein berührten sich bekreuzigten und beteten. Gab es einige Reden
unter anderem von der Königin der Fiestas die vorher aufwendig gewählt wurde
und während der Fiestas bei allen wichitgen Aktivitäten präsent war. Als
gesungen wurde gingen die Hände in die Luft und ich fühlte mich wir auf einem
Konzert. Als dann noch der Pfarrer anfing mit „ gib mir ein J“ – die Besucher
antworteten „ J“. „Gib mir ein E“, -„E“. „Gib mir ein S“-“S“ gib mir ein U.“-„U“
gib mir ein „S“-“S“ Und was macht das“- alle schrien „Jesús!!!!“ und brachen in
jubeln aus. Die Partystimmung vollkommen. Danach machte sich die Prozession auf
den Weg ins Zentrum der Stadt. Zwischendurch gab es Häuser oder Stände an denen
Chicha (ein alkoholisches Getränk aus Mais) ausgeschenkt wurde, Marimbas wurden
gespielt und die Soundanlage der Kirche und deren animierenden Gebete sorgten
weiterhin für Stimmung. Außerdem wurde die Prozession von einer Folkloregruppe,
die zwischen durch tanzte, begleitet. Es gab etliche andere Verkäufer die Essen
oder Erfrischungen, wie Pipa fría oder Granizado anboten. Außerdem gab es Leute die während
der Prozession am Wegesrand immer wieder Bomben anzündeten. Die Bomben sind
selbstgebaut und recht simpel. Sie schießen in die Höhe knallen 2 mal sehr laut
hinterlassen kleine Rauchwolken. Sie machen auf jegliche Form von
Veranstaltungen aufmerksam. Nach den ersten 50 Bomben fingen sie mich langsam an
zu stören.
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| Die Fiestas haben mich auch mit meiner Mitfreiwilligen enger zusammen geschweißt |
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Um 12Uhr sollten dann das
eigentliche Fest in den Straßen los gehen, dass die Leute so sehnlich erwarteten.
Für viele ist DAS der eigentliche Anfang des Jahres. Und wo war ich? Im Büro. Beim
Mittagessen mit meinen Kollegen. Aber mein Vater beruhigte mich, dass es jeden
Tag um 12 das Gleiche sein würde.
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| Meine Cousine und ich |
Am Abend ging ich dann gemeinsam
mit meiner Familie los, meine Mama, meine Schwester, ein paar Cousinen und
Tanten usw. auch meine Mitfreiwillige war eine Zeit lang dabei. Fürs erste fand
ich es nicht so unglaublich berauschend. Die meiste Zeit liefen wir einfach nur
rum und schauten uns die Stände an, holten uns mal was zu essen, mal was zu
trinken, hörten ein bisschen der Musik zu, unterhielten uns und schauten uns das
rege Treiben an. Am nächsten Tag gingen ich und meine Mitfreiwillige, dann mit
2 anderen Freiwilligen aus Nicoya da waren wir schon deutlich aufgekratzter und
die Stadt deutlich voller, wir genossen die Musik der Marimbas, die an jeder
Straßenecke stehen, mischten uns unter die Leute die in den Straßen tanzten und
versuchten uns in dem Santa cruceño Fiesta Schrei. Dieser hat etwas Ähnlichkeit
mit dem Schrei eines Vogels, aber ist etwas was ich noch nie vorher gehört
hatte und es irritierte mich jedes Mal, wenn ich mich nach der schreienden
Person umdrehte und sich herraustellte, dass es ein Mann war. Der Schrei hört
sich schon nicht menschlich an, aber erstrecht nicht männlich da er sehr hoch
und kreischend ist. Aber sie machten Stimmung und sorgte auch für ein Gefühl
der Verbundenheit unter den Leuten, denn sobald einer anfing wurde von allen
Seiten geantwortet. So langsam wuchs der Stolz in mir, das ich in dieser Stadt
lebe, in die so viele Menschen reisten um unsere Fiestas zu genießen. Patriotismus
als Deutsche zu fühlen, ist was ganz neues, aber mir gefiel das Gefühl.
Topes sind ein Teil der Fiestas
der mir nicht wirklich gefallen hat, eben so wie die Rodeos.
Carolina, meine Cousine wollte einfach
nicht aufhören zu tanzen, sie war der Grund dafür, dass ich so wenig Schlaf
während der Fiestas bekam ohne sie wäre ich immer schon spätestens um 2 im
Bett gewesen.
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Auf den Topes reiten die
Caballeros(Cowboys), aber auch einige Frauen, durch die Straßen, einige führen Dressurschritte
vor, trinken und lassen sich bestaunen. Die Pferde werden nicht besonders gut
behandelt und sahen müde und unglücklich aus. Das machte mich traurig und
darüber hinaus fande ich es Langweilig und nicht besonders schön den Pferden
bei diesen unnatürlichen Bewegungen zuszusehen. Die Topes wurden von Orchestern
begleitet und viele Menschen stellten ihre Stühle und Autos neben der Straße ab
und machten es sich gemütlich um den Reitern zu zuschauen.
Am letzten Tag wurde außerdem ein
Pferd angemalt und mit vielen Sachen behangen und verkleidet, es war geschminkt,
trug eine Tortillapfanne und Frauenunterwäsche etc. die Person die auf dem
Pferd saß musste trinken und das Pferd wurde von einer Horde von Menschen von
Geschäft zu Geschäft von Bar zu Bar geführt, um dort um Alkohol für die Menschen
die sich auf das Pferd setzten, zu bitten. Auch viele Tourist setzten sich auf
das Pferd viele nur weil sie ein Foto machen wollten, aber wer einmal drauf Saß
musste nun mal auch trinken und einige wurden ebenfalls angemalt. Der Rundgang
mit dem Pferd endete in der Stierarena.
Die Rodeos in Santa Cruz sind
besonders berüchtigt und werden immer Live im Fernsehen übertragen. Für die
meisten Menschen ist das Wort Fiestas mit dem Wort "Montar de toros"(Rodeo) gleich zu setzten,
alles andere ist nur Nebensache.
In einem Rodeo in Costa Rica
wird der Stier doch zum Glück weder verletzt noch getötet. Dass ist schonmal
ein Fortschritt im Vergleich zu den Stierkämpfen in Spanien, trotzdem ist es
natürlich nicht schön für das Tier. Der Stier kriegt aber vor dem Rodeos
einige Tage kein Essen, damit er „schön wild“ ist, und danach muss er ebenfalls
für 10 Tage hungern, damit ihm sozusagen wieder Manieren bei gebracht werden. Andererseits habe ich aber auch gehört das die guten "wilden" Rodeostiere, die am meisten verhätschelten Tiere sind. Mich erinnern die Rodeos an eine abgeschwächte Form der ehemaligen Gladiatorenkämpfe der Römer.
Die Stierreiter reiten die Stiere meistens solange bis sie abgeworfen werden, einige springen auch irgend wann ab und flüchten sich dann so schnell es geht hinter
die Bande, in dem sich sich unter dem Holzgerüst durchrollen. Danach kommen 2
bis 4 Caballeros, die den Stier mit Lassos einfangen. Manchmal reißen sie ich
noch ein bisschen herum und demonstrieren ihre Überlegenheit. Es kommt aber
auch vor, dass der Stier von alleine wieder aus der Arena läuft. Während der
ganzen Zeit sind noch viele andere Leute in der Arena, in erster Linie
jugendliche Männer. Wenn der Stier auf sie zu rennt flüchten sie sich auf das
Holzgerüst, das die die Arena umgibt und wenn der Stier nahe vorbeirennt,
versuchen sie ihn mit dem Fuß zu treten. Einige versuchen den Stier auch zu
provozieren in dem sie Tücher schwenkend vor ihm umherhopsen oder ihm am
Schwanz ziehen. Währenddessen wird die ganze Zeit über die Lautsprecher
kommentiert und zwischendurch spielt eine Band lateinamerikanische Musik. Mir fehlten immer
die Informationen wie es um die Verletzten Stierkämpfer steht. Den bei meinem
ersten Stierkampf, der allerdings in Santa Barbara war, rollte sich
ausgerechnet der erste verletzte Stierkämpfer direkt vor meine Füße und ich war
total überfordert. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Zum Glück wussten die
Leute die neben mir standen besser Bescheid. Den Zuschauer scheint es ein guter Rodeoritt gewesen zu sein, wenn sich der Stierkämpfer verletzt, dass ist dann
aufregend und spannend. Die Leute meinen hier auch das die Rodeos bzw. Die Stiere in Santa
Cruz gaaanz anders sind als zum Beispiel in Nicoya, weil die Stiere Andere
sind. Naja ich kann mir den Unterschied da nicht so vorstellen, aber weil ich
keine Ahnung hab, muss ich das wohl so annehmen. In den Zuschauerreihen werden
ununterbrochen Eis, Getränke, Snacks und andere Kleinigkeiten verkauft. Die
Zuschauer halten sich in der Regel für mehrere Stunden in der Arena auf. Es
wird auch ein ordentlicher Eintritt zwischen 15 und 20€ verlangt. Allerdings
hab ich mich nur am letzten Tag, einmal kurz morgens in die Arena gesetzt und
war so früh drin, dass, noch keiner Eintritt verlangt hat, deswegen weiß ich
das nicht so genau. Ich war allerdings auch nur für eine Stunde oder etwas mehr
drin. Dann hatte ich genug Fotos für meinen Bericht gesammelt, wie gesagt Spaß
macht es mir nicht, dafür bin ich dann doch zu sehr Tierschützerin, aber auch
so verstehe ich nicht was daran toll sein soll. Aber für dieMenschen ist es
eine sehr wichtiger Teil der Kultur und die meisten verbinden damit schöne
Kindheitserinnerungen. Die traditionelle Kleidung wenn man zu einem Stierkampf
geht ist ein kariertes Hemd, Jeans, ein Cowboygürtel, Stiefel und eventuell noch
ein Hut.
Auf dem Festfeld gab es einige
Fahrgeschäfte,doch ich konnte Niemanden meiner Familie oder meiner Freunde
überzeugen eins mit mir zu benutzen, nur der Favorit meiner Schwester Autoscooters
wurden von allen gerne gefahren. Doch an einem Tag überzeugte ich meine
Kollegin mit einer Freundin von ihr. Meine Kollegin hat angst und ich konnte es
sogar nachvollziehen, weil sie so dünn und klein ist, das es wirklich wirkte
als könnte sie unter den Gurten hindurchflutschen. Meine Schwester konnte von
den Autoscootern nicht genug kriegen und mit ihrem wütenden Gesichtsausdruck
und dem wallenden Haar, sah sie beim fahren aus wie eine Gängsterbraut. Einmal
nahm mich auch Spontan ein Junge in meinem Alter mit und so konnten wir
gemeinsam meine Schwester angreifen, das war eine sehr lustige, kurze
Bekanntschaft.
Außerdem gab es ein großes Zelt in
dem Latein getanzt, also Cumbia, Bachata, Salsa, Merengue etc. und einen riesen
Platz mit einer Bühne, mein Lieblingsort auf den Fiestas. Auch wenn ich die
meisten Konzerte verpasste, konnteman dort immer gut tanzen. Außerdem wurde
natürlich Bier verkauft, den leckersten Mojito
den ich je getrunken hab und der hier nur 1,5€ kostet. Getränke sind hier im allgemeinen
wenn man ausgeht supergünstig, es sei den man zahlt Touri Preise. Generell es
wurde alles mögliche verkauft von Kleidung, Schmuck über Möbel, ,
Sonnenbrillen, Schuhe bis hin zu Wäschekörben.
…bis die Wolken wieder lila sind!
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Eine Weitere Tradition der Fiestas
in Santa Cruz und NUR in Santa Cruz ist, das man bis zum Sonnenaufgang wach
bleibt, dann gibt es die Diana, einen Umzug durch die Stand, der von einem
Orchester und der Polizei begleitet. Wenn sich die Leute vom Festfeld auf dem
Weg zur Diana machen, stoßen sie dabei die vergnügten Santa cruceñischen Schreie
aus, die wie eine ausgelassen vergnügte Unterhaltung wirken. Ebenfalls fand ich
es genial morgens nach der Diana überall schlafende Leute zu sehen. Einige
hatten sich ein Lager auf dem Stück Wiese an einer Straßenecke gebaut, Andere
einfach die Matrazte mitten auf den Bürgersteig gelegt. Die Leute, die allen möglichen Kram auf dem Weg zum Festfeld
verkauft hatten schliefen auf Planen oder hatten ihren Stand durch ein Zelt
ersetzt. Alle waren völlig entspannt und keiner brauchte sich sorgen machen
komisch angeguckt zu werden. Die ganze Stadt war im Ausnahmezustand, alle gut gelaunt
und wollten einfach nur Spaß haben. Am nächsten Morgen war die Stadt auch

Seit
den Fiestas bin ich verbringen ich und Esmeralda(rechts) viel Zeit
zusammen, sie ist genial, aber auch ich und meine Mama quatschen immer
mehr.
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sehr schnell wieder ziemlich
sauber und spätestens ab 12 waren wieder alle auf den Beinen. Keiner Möchte
schlafen gehen und so habe auch ich es geschafft mit sehr
sehr wenig schlaf auszukommen.
Samstag morgen habe ich nach der
Diana,
morgens ungefähr vier Stunden geschlafen,
Sonntag durchgemacht, direkt
weiter zur Arbeit
und wieder bis zum Schluss der
Fiestas,
das aus einem Wunderschönen
Feuerwerk bestand.
Es gab zwar jeden Tag um 7 Uhr ein
kleines Feuerwerk, aber dieses wahr bombastisch und bedeckte den ganzen Himmel.
Ich war wirklich vor , das ich noch wachgeblieben war!
In den Tagen der Fiestas fühlte
ich mich pudelwohl und dachte schon Samstag morgen wie traurig das Ende sein
würde, denn ich war inzwischen wirklich süchtig, wie ich merkte, als mein Buch
zu kribbeln anfing, wenn ich die Bombas hörte, das Signal dass die Feier weiter
geht!. Ansonsten genoss ich es einfach so durch die Stadt zu schlendern, den Leuten
beim Tanzen zu zusehen die Atomspäre gefiel mir. Außerdem ist das wohl die einzige
Zeit in der es wenigstens ein paar Ausländer in Santa Cruz gibt und ich somit
nicht so auffalle und etwas mehr Privatsphäre und Kleidungsfreiheit habe. An
sich finde ich es ja super das es praktisch keine Touristen in Santa Cruz gibt,
weil mich die Tourist normalerweise nerven, aber nur so bekam ich jetzt auch
einmal weniger Aufmerksamkeit und konnte es sogar wagen kurze Kleidung
anzuziehen. Außerdem war die ganze Stadt auf den Beinen und man traf immer
wieder Leute die ich kannte oder Familie.
Das schönste war für mich jedoch
jeden Tag mit meiner Familie etwas zu unternehmen zu reden zu tanzen und zu
lachen.
Die Fiestas hatten mich richtig
mit meiner Familie zusammengebracht und ich habe richtige Freundschaften mit
meinen Cousinen geschlossen. Das schätzte ich sehr an den Fiestas und ich
wollte ebenfalls nicht das die Fiestas aufhören, egal wie müde ich war!!!
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